| von Andreas Stelzig, Firma “aqua-select” http://www.aqua-select.de Ein paar Worte vorab:
Im April des Jahres 2004 erhielt ich von einem Kreditinstitut in Thüringen den Auftrag zum Bau eines Großaquariums für den Hauptgeschäftsraum der neuen Filiale in Altenburg. Nun, nicht so ganz mein Spezialgebiet, aber „geht nicht – gibt es nicht!“, also hinein in die Planungsphase! Schließlich „stand“ ein Aquarium, welches Größe mit optisch edelster Klasse verband. Auf dem Papier! Meine Kenntnisse von Bau, Betrieb, Besonderheiten und speziellen Anforderungen an Großaquarien hatte die Planung des Vorhabens zwar ermöglicht, die Herstellung nun aber auch praktisch umzusetzen war eine andere Sache! Nach gründlicher Überlegung beschloss ich, mir bei diesem Auftrag erstmals einen Partner ins Boot zu holen. Gegeben: Ein Auftrag der o.g. Art, ein viel versprechendes Projekt eines besonderen Aquariums und ein relativ großzügig ausgelegter, zeitlicher Rahmen der Realisierung. Gesucht: Ein Partner, welcher über das entsprechende Know-how im Glasbau verfügt, der bereit ist, seine Erfahrungen und meine zu potenzieren und der die sehr hohen Qualitätsanforderungen des Kunden erfüllen kann. Eine der wichtigsten Errungenschaften der Neuzeit ist das Internet! Man setzt sich an den Rechner und „googelt“ einfach frisch drauf los. Tatsächlich erhält man bereits nach wenigen Minuten eine ansehnliche Liste von Firmen, die sich mit der einschlägigen Materie beschäftigen. Alles nette Kollegen. „Ja das geht so aber nicht, wir hätten jedoch eine andere Superlösung...“, diese Äußerung am anderen Ende der Telefonleitung hätte durchaus Anspruch auf den Satz des Jahres erheben können. „Entschuldigung, ich möchte es aber bitte genau so!“ „Ja, dann tut es uns sehr leid, sonst gern, hoffentlich beim nächsten Mal wieder...“ Wie gesagt, alles nette Kollegen! Wieder ein Häkchen mehr auf der Liste. Nächster Versuch: Firma „AquaGlas“, Ranstadt. Wo ist das denn? Egal! Kurze Eingabe am Rechner: www.aquaglas.de Ganz nette Web, Spezialanfertigung von Aquarien, usw., usw. Bei der heutigen Präsentationsflut im Internet wird man mit der Zeit doch schon ein wenig lustlos!
„Wir fertigen nach Ihren Wünschen, bla, bla, bla und alles was Ihrer Phantasie entspringt.“ Zweiter Klick: „Referenzen“. Fertiges Aquarium Dritter Klick: „In Betrieb“. Ich muss mich also vorerst weiter mit den Internetseiten von „AquaGlas“ zufrieden geben. Zusätzlich der Hinweis, dass ein Anruf zur Bestätigung erwünscht ist. Na Klasse! Würde ich ja gern, müsste ja nur einmal jemand abheben! Am nächsten Tag versuche ich es erneut. „Firma „AquaGlas“, Stefan Klebsch, Guten Tag!“ Ich stelle mich vor. Ja, meine E-Mail ist eingegangen, wir kommen ins Gespräch. Klebsch hört mir lange zu, stellt einige Zwischenfragen. Nach ungefähr 30 Gesprächsminuten das Fazit meiner Anfrage: Ja, genau so könne er sich die Umsetzung vorstellen! Dies soll zunächst auf unser beider Wunsch hin die Basis für unsere weitere Zusammenarbeit bilden. Ich bin begeistert und freue mich auf die praktische Zusammenarbeit! Klebsch wird die einzelnen Baukomponenten in seiner Firma vorfertigen und die Kompatibilität prüfen, danach werden sie direkt am Aufstellungsort in Altenburg montiert und verklebt. Bedingt durch den Baufortschritt der Bankfiliale müssen wir den geplanten Endfertigungstermin mehrmals verschieben. Schließlich einigen sich alle Beteiligten auf Montag, den 15.11.2004 und ich hoffe, dass nun alles planmäßig in Gang kommt.
Na bitte! Schon zu diesem Zeitpunkt hätte ich von Klebsch nichts anderes mehr erwartet! Endlich lernen wir uns persönlich kennen! Genau so sympathisch und nett wie „der Chef“ selbst, ist auch sein Freund und Mitarbeiter: „Hallo, ich bin Gilbert“, stellt er sich vor. „Macht nichts, dass kann doch jedem passieren!“ teste ich sein Verständnis von Humor. Es ist sehr selten, dass man Partner findet, mit denen man - auch was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft – von Anfang an ein absolut gutes Gefühl hat! Entladearbeiten. Schwierig, schlechte Zufahrt, starke Neigung des Entladeplatzes! Schon nach kurzer Zeit taucht das erste Problem auf. Selbst die Doppelflügel des Haupteingangsbereiches der Bank erweisen sich als zu schmal für das riesige Untergestell des Beckens. Dies war vorher nicht abzusehen, da die Automatiktüren erst kürzlich eingebaut wurden.
Das Husarenstück gelingt! Die wenigen Zentimeter „Luft“ genügen, um das Bauteil ohne Schäden an seinem Platz aufstellen zu können. Bereits vorher haben wir den Unterbaufilter der Anlage, millimetergenau ausgerichtet, in seiner Endstellung platziert. Nun kommt es darauf an, das Untergestell absolut passgenau, langsam über dem Filtersystem abzusenken. Geschafft! Dies war sozusagen die „halbe Miete“. Den schwierigsten Teil der Aktion haben wir gemeistert! Dachten wir! Gerade als sich die Anspannung gelegt hat und die ersten laxen Bemerkungen a la „...eigentlich könnten wir für heute Feierabend machen!“ fallen, werden wir von der Realität eingeholt: Das berstende Geräusch, welches von draußen zu uns in den Raum dringt, ist mehr als nur laut. Noch unangenehmer als der erste Schreck, ist die Tatsache, dass es von der Ladefläche unseres Lkws kommt. „Die Neigung, die Scheiben...“ und schon ist er draußen! Ich will es nicht glauben! Tatsächlich hat durch die Neigung der Ladefläche ein Spanngurt dem gewaltigen Druck der schweren Beckenverglasungen nicht standhalten können und ein Teil der Scheiben war umgestürzt! „Supergau!“ Einige der teuren Spezialanfertigungen sind nur noch wertloser Müll. Was nun? Abgesehen vom materiellen Schaden ist damit auch unser gesamter Zeitplan nur noch Makulatur! Indes bleibt Klebsch bewundernswert ruhig und gelassen. Seine Reaktion auf diesen, Schlimmsten aller Fälle, nötigt mir Respekt ab! Baubesprechung. Wir erörtern die verschiedenen Möglichkeiten, die wir haben, um den Abbruch des Vorhabens zu verhindern. Beide haben wir unsere Verbindungen. Beide versuchen wir per Telefon das schier Unmögliche in die Wege zu leiten. Beide erhalten wir - nach endlosen Diskussionen - Zusagen unserer Hersteller für eine Fertigung der Gläser am nächsten Tag, allerdings mit einer „kleinen“ Einschränkung: Selbstabholer! Immerhin. Während die Entfernung zu meinem Hersteller nur ca. 60 km beträgt, hätten wir bis zum Werk von Klebsch’s Auftragnehmer fast 400 km zu überbrücken! Demgegenüber steht allerdings die Tatsache, dass der Preis der Gläser dort günstiger ist, da – glücklicher Zufall! – nicht extra der Produktionsablauf umgestellt werden muss. Wir müssen eine Entscheidung treffen. Ein guter Freund von Klebsch wird die Scheiben im Werk abholen und bis nach Eisenach transportieren. Dies liegt etwa auf der Hälfte der Strecke. Dort werden sie dann von uns übernommen und nach Altenburg gebracht. Dadurch verlieren wir zwar einen ganzen Tag an Zeit, jedoch ist die Weiterführung des gesamten Projektes gesichert. Na bitte, „geht nicht – gibt es nicht!“ Transport und Übergabe verlaufen reibungslos, gegen 22:30 Uhr sind die Scheiben in Altenburg. Am nächsten Morgen – etwas zeitiger als ursprünglich geplant! – können die Montagearbeiten an der Anlage weitergehen. Jetzt sind Klebsch & Co. in ihrem Element! Stück für Stück werden die einzelnen Komponenten zusammengefügt, Stück für Stück entsteht die Grundform des Beckens. Wollte ich an dieser Stelle näher auf alle Einzelheiten einzugehen, würde dieser kurze Bericht zum Roman mutieren, und jeglichen Rahmen sprengen. Die Verklebung eines Beckens dieser Größenordnung ist ein komplexer Prozess, die genaue Abstimmung und Einhaltung der Reihenfolge einzelner Arbeitsschritte sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg. Klebsch arbeitet ohne Hektik, dennoch schnell, präzise und absolut durchdacht! Neidlos bin ich bereit einzugestehen, dass ich in den nächsten Tagen sehr viel von ihm lerne. Er ist ein Vollprofi, allein die Art der Ausführung seiner Klebefugen ist das Beste, was ich bisher auf diesem Gebiet gesehen habe! Er ist ein Perfektionist, im besten Sinne des Wortes! Am nächsten Tag haben wir kurzzeitig die Befürchtung, unser Zeitplan könnte doch noch ins Wanken geraten.
Gegen 21:30 sind die wesentlichen Arbeiten an der Anlage abgeschlossen! Erstmals spüre ich Erschöpfung bei Klebsch. Kein Wunder - es war ein harter Tag, fast 14 Stunden Schwerstarbeit ohne größere Pausen! Für den morgigen Tag bleiben noch eine Fülle von „Restarbeiten“, mit deren Dauer man sich leicht verschätzen kann! Zunächst beginnt der vorerst letzte Tag unserer Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen - durchaus opulentem – Frühstück im Hotel! Schade, dass die gemeinsame Zeit heute zu Ende geht! Gegen 11:00 ist erst einmal „Großer Bahnhof“, die gesamte Vorstandsetage der Bank, der Architekt und der Bauleiter haben sich angesagt. Das Becken steht und die Ausführung findet mehr als nur Zustimmung. Wir freuen uns, dass unser Kunde mit der Leistung zufrieden ist – die „Abnahme ohne jeden Mangel“ ist eine schöne Bestätigung dafür. Ich muss noch einige Erklärungen über den weiteren Fortgang des Projektes geben. Zunächst müssen wir die vorgegebene „Trockenzeit“ des Beckens von ca. 3 Wochen einhalten. Während dieser Zeit wird schon die gesamte Betriebstechnik installiert. Danach erfolgt die Erstbefüllung, die Dekoration und - nach der Einlaufphase - der Besatz des Beckens. Wir sind fertig. Vor uns steht eine blitzblank geputzte Großaquarienkombination. Klebsch lies es sich nicht nehmen, jede der großen Spezialscheiben, jeden Steg und jede Abdeckplatte noch einmal einer genausten Prüfung zu unterziehen. Jede noch so kleine Verunreinigung wurde dabei entfernt. Wie Perfektionisten nun eben einmal sind!
Einerseits bin ich froh, dass die Anlage in bester Qualität und im geplanten Zeitraum steht, andererseits hätte ich mir noch ein paar Tage mit „AquaGlas“ gewünscht. Ich habe in dieser Zeit nicht nur dazu gelernt, sondern auch eine Menge Spaß gehabt. Es hat, wie man so schön sagt, „gepasst“ – fachlich und auch menschlich. Ich nur hoffen, dass uns die Auftragslage wieder einmal zusammenführt. Nein, Klebsch ist kein netter Kollege. In diesem Sinne: Danke, Stefan, und bleib wie Du bist! Andreas Stelzig, Zum Thema „ Zwei Seelen in meiner Brust“: Es ist ja wirklich sehr ritterlich und ehrenhaft von Andreas (Andreas Stelzig, mein Auftraggeber), dass sich der Bericht so liest, als ob ich der „coole Retter“ in allen Situationen war. Dem war aber nicht so! Wäre da nicht ein Andreas gewesen, der (als der Supergau mit den Scheiben halt nun mal pass iert war) ohne zu zögern die andere Teilstrecke von immerhin 400 km auf sich nahm, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass ausser Benzin auch seine kostbare Zeit von immerhin ca. 3 Stunden (Bleifuss) verloren war, WÄRE DAS PROJEKT „ALTENBURG“ KLÄGLICH GESCHEITERT ! ! ! DANKE ANDREAS ! ! Auch für die tollen Stunden, die wir in Steffens neu eröffneter Sportsbar (www.bruehl7.de) fürstlich gespeist haben und genauso hübsch und professionell bedient wurden! Brühl 7 ist ein echter Geheimtipp und schon allein eine Reise nach Altenburg wert! Wenn man schon mal auf dem Weg nach 04600 Altenburg ist, dann sollte man nicht verpassen sich einen Termin bei Andreas und seinem selbst erschaffenen 14.000-Liter-Aquarium auszumachen. ES LOHNT SICH! Es gehört aber schon ein Funke Glück dazu ihn anzutreffen, weil er seine Zeit lieber am Orinoco verbringt und tolle Videos für die zuhause gebliebenen Aquarianer dreht, die unter anderem auch bei Zoo Zajac unter „Abenteuer Orinoco“ zu erstehen sind. Auch noch zu erwähnen sei, dass er mit seiner genüsslich ruhigen und lustigen Art einen Grossteil dazu beigetragen hat, dass das Projekt „Altenburg“ trotz des Supergaus das Beste und witzigste war, das ich bei meinen Vorortverklebungen erleben durfte. Ich warte nun jeden Tag gespannt auf einen neuen Auftrag! :-) Nein, Andreas ist kein netter Kunde. Er ist ein Freund! In diesem Sinne Vielen Dank Andreas und bleib auch Du wie Du bist! Stefan Klebsch AquaGlas |
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